Kirche St. Maria

St. Maria mit Friedhof

Das Gotteshaus St. Maria blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie thront leicht erhöht im oberen Teil des Ortes und ist seit dem Spätmittelalter von einem Friedhof umgeben. Der Sakralbau wurde erstmals 1329 als Kapelle erwähnt und gehörte zu dieser Zeit vermutlich als geistliche Andachtsstätte zum Bestand des Oberen Schlosses (daher auch ihr Name: Obere Kirche).

Inwieweit die Kirche gegen Ende des 14. Jahrhunderts vergrößert wurde ist nicht bekannt. Auf einer kolorierten Landkarte von 1600 zeigt sich die Kirche als typisch fränkischer Wehrbau mit trutzigem, zweigeschossigem Turm und Zeltdach. Das Langhaus beherbergte nur ein Joch. Schon vorher, um 1528 wurde Berolzheim protestantisch. Anders als die Pfarrei der Kirche St. Michael, die sich zunächst weigerte und erst 1571 dazu zählte, zog die neue Lehre in St. Maria ohne Probleme ein.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) entstanden starke Schäden an der Kirche durch kaiserlich-bayerische Soldaten. Eine Erweiterung des Langhauses erfolgte im Jahr 1688, ebenso fanden notwendige Reparaturen am Turm statt. Vermutlich erhielt zu dieser Zeit das Schallgeschoß mit Spitzbogenfenster seine oktogonale Form.

Turmfalken im Schallfenster von St. Maria1751 riß ein starker Sturm die Turmspitze herunter und erst 4 Jahre später wurde dieser Schaden behoben. Zur gleichen Zeit wurden auch barockisierende Baumaßnahmen eingeleitet.
Ein mit rötlichen Sandsteinquadern eingefaßter Spitzbogen vermittelt zwischen Langhaus und dem dadurch zum Blickzentrum inszenierten quadratischen Altarrum. Dieser ist nicht so breit wie das Langhaus und dient als Basis für den Turm, dessen Mauern noch aus dem 14. Jahrhundert stammen. Im Turm befinden sich drei Glocken, und in speziell eingebauten Nisthöhlen ziehen fast jährlich Turmfalken ihre Jungen groß. Auf der Turmspitze thront eine Wetterfahne in Form eines Elefanten.

Beim Altar handelt es sich um einen Aufsatz mit zwei Säulen und unterbrochenem Giebel. Die Predella ist beschriftet mit Meine Seele erhebet den Herrn. Das Altarbild zeigt die Anbetung Christi durch die Hirten und wird von mit Weinlaub umrankten gedrehten Säulen sowie mit Akanthuswangen mit fein geschnitzten Engelsköpfen flankiert. Das Altarbild lässt sich aufgrund seines Stils und den gedämpften Farben in das 17. Jahrhundert datieren.
Links vor dem Altar befindet sich die Kanzel, welche mit Martin Fink 1722 beschriftet ist. Der schwerplastische Kanzelkorb wird durch gewundene Ecksäulchen mit kompositen Kapitellen in einzelne Felder gegliedert. Über dem Kanzelkorb schwebt ein Schalldeckel, welcher an der Unterseite mit vergoldeten Lambrequins gesäumt wird. Den Abschluß nach oben bildet eine vergoldete Volutenspangenkrone mit einer Sonne.

 

Die Kirche St. Maria nimmt am Projekt „Offene Kirche in Bayern“ teil und ist im Sommer bei schönem Wetter regelmäßig von
10 bis 19 Uhr geöffnet.

 

 

 

 

Altarbild St. Maria

Das Altarbild von St. Maria, die Geburt Christi darstellend, ist wohl eines der bedeutendsten Kunstwerke unseres Ortes. Im Jahr 2005 begannen Planungen das Gemälde, das doch deutliche Alterungserscheinungen aufwies, professionell sanieren zu lassen. Im Herbst wurden Angebote von entsprechenden Werkstätten eingeholt und mit Unterstützung von Cornelia Ringer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege der Zuschlag an die Firma Peter Rau aus Staig bei Ulm vergeben.  Um das Bild nicht unnötig starken Temperaturschwankungen während des Transportes auszusetzen wurde die Restaurierung vom Winter einige Wochen nach hinten verlagert und sollte erst im Frühjahr durchgeführt werden. Der Meister persönlich holte daher erst am 23. März das Gemälde ab, wobei seine Handgriffe genauestens durch einige Mitglieder der Gemeinde beobachtet wurden. Nach dem Ausbau aus dem Altarkasten wurde das Bild sorgfälltig in Luftpolsterfolie verpackt und anschließend das Loch im Altar mit Stoff verhangen. In den folgenden Wochen hatte Rau das Bild in seiner Werkstatt restauriert, wofür viele Gemeindemitglieder ja damals eifrig gespendet haben.

Zunächst war geplant das Bild nur von Verschmutzungen zu befreien, evtl. neu zu Rahmen und auch Beschädigungen auszubessern. Der Firnis, eine Schutzschicht auf der eigentlichen Malerei, sollte bestehen bleiben da die Experten der Landeskirche der Meinung waren dieser könnte noch aus der Entstehungszeit des Bildes stammen. Im Laufe der Restaurierung zeigte sich jedoch das dieser neueren Datums ist, möglicherweise aus der Zeit der letzten Komplettrestaurierung der Kirche im Jahr 1912, weswegen Rau in Absprache mit Frau Ringer entschied auch diesen zu erneuern. Dies zog die ganze Aktion natürlich zeitlich erheblich in die Länge und verursachte auch Mehrkosten: Sollte das Bild zunächst bis spätestens Ostern wieder an seinem angestammten Platz im Altarkasten sein, mussten wir uns dann doch bis zum 15. Mai gedulden ehe wir unser Bild wieder in Empfang nehmen konnten. Insgesamt hat sich die Restaurierung und das Warten gelohnt, das Gemälde bestichtet im Vergleich zu vorher mit fast leuchtenden Farben und viele vorher aufgrund der Verschmutzungen nicht sichtbare Details kommen erst jetzt richtig zur Geltung.

    

Eine Bildbeschreibung, verfasst von Pfarrer Schmidt:

Das Bild eines unbekannten Malers, das etwa 1690 entstanden ist, ist aber nicht nur das vielleicht bedeutendste Kunstwerk unseres Ortes. Es steht ja nicht in einem Museum, sondern in einer Kirche. Es möchte uns dazu helfen, das Geheimnis des Weihnachtsfestes immer wieder neu zu erfassen. Drei Beobachtungen sind es, die beim sinnenden Betrachten dieses Bildes ganz besonders auffallen:

1. Die Hirten blicken zu JesusDie Blicke der meisten Personen des Bildes sind auf das Kind gerichtet, den strahlenden Mittelpunkt des Kunstwerkes. Der Hals eines Hirten ist sogar verdreht, damit ihm das Kind ja nicht entgeht. Selbst der Esel und der Hund richten staunend ihre Blicke auf die Krippe. Weihnachten bedeutet ja zuallererst, dass Gott aus seiner Unsichtbarkeit herausgetreten ist. In einem unscheinbaren Kind, das auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen ist, wohnt die ganze Fülle Gottes. Gott wird greifbar und sichtbar. Dass Gott aus seiner Verborgenheit herausgetreten ist, das Jesus gegenwärtig ist, hatte für Christen schon bald die Folge, dass sie sogar das Bilderverbot, das Gott dem Volk Israel gegeben hatte, als überholt betrachteten. Die Sichtbarkeit Gottes ist wohl auch der Grund dafür, dass Kinder einen ganz besonders leichten Zugang zu diesem Fest (Weihnachten) haben. Eltern und Großeltern tun ihren Kindern etwas Gutes, wenn sie ihnen nicht nur prachtvolle Geschenke geben, sondern mit ihnen Bilder vom Kind in der Krippe betrachten. Die Freude der Kinder an diesem Geschehen erwärmt dann oft das Herz älterer Menschen, die dann wieder ein Stück ihrer Kindheit neu erleben. Eine der gemalten Gestalten blickt freilich nicht auf das Kind. Maria blickt sinnend weiter. Sie „bewegt alle diese Worte in ihrem Herzen“ wie es uns Lukas sagt. Verfolgen wir weiter die Richtungen der Blicke, so treffen ihre Augen auf den Altar. Vielleicht hat uns damit der Maler des Bildes sagen wollen: „Wenn du dieses Kind umfassen willst, dann kannst du diesem menschgewordenem Gott begegnen willst, dann kannst du diesem Herrn im Heiligen Abendmahl auf dem Altar begegnen.“

2. Obwohl alle Blicke der gemalten Personen nach innen gerichtet sind, lenkt der Maler unseren Blick auch nach außen. Durch die großen Fenster kann man römische Ruinen und ein Stück Landschaft sehen. Die prachtvollen römischen Bauwerke beginnen zu bröckeln, weil Sträucher sich in die Ritzen der Triumphbögen eingefressen haben. Die machtvollen Bauwerke der römischen Kaiser verlieren ihre Bedeutung – Herr aller Herren wird nun kein irdischer Herrscher, sondern das Kind in der Krippe sein. Wo die Herrlichkeit menschlicher Machthaber ein Ende hat, tritt die Herrlichkeit Gottes hervor, die sich im Kind zeigt. Durch die Fenster des Stalls sieht man aber auch nicht nur römische Architektur, sondern auch Landschaft. Mit ein wenig Phantasie kann man in dieser Landschaft die Altmühl und Jurahöhen unserer Umgebung erkennen. Damit könnte gesagt sein, dass das Kind eben nicht nur für die Hirten aus der Umgebung von Bethlehem geboren ist, sondern auch für uns Berolzheimer. Auch und gerade uns will es zur Anbetung einladen.

Der Engel: "Gloria in excelsis Deo"3. Schließlich zeigt uns das Altarbild den geöffneten Himmel. Von strahlendem Gold ist diese Öffnung überglänzt, aus der heraus der Engel sein Schriftband hält: „Gloria in excelsis Deo (Ehre sei Gott in der Höhe)“. Wo Gott in unsere Enge und Dunkelheit einkehrt, öffnet sich der Himmel. Dieser Jubelruf der Engel prägt jeden unserer Gottesdienste mit Ausnahme der Advents- und Fastenzeit.