Kirche St. Michael

   

Die nun schon seit über 250 Jahren das Architekturbild von Markt Berolzheim prägende Barockkirche St. Michael steht leicht erhöht inmitten der Ortschaft an der Hauptstraße. Schon von weitem ist der schmucke Kirchturm sichtbar. Früher umgab ein Friedhof das Gotteshaus, heute wird dieses durch mächtige Bäume gesäumt.

Die älteste urkundliche Nachricht über die Kirche St. Michael findet sich im Jahr 1344, als die Willinge zu Berolzheim dem Dompropst zu Eichstätt ihre zwei Mühlen und den Kirchensatz zu Sande Michael verkauften. Angeblich soll mit dem Bau des Oberen Schlosses die Gründung der unteren Pfarrei St. Michael im Zusammenhang stehen. Dieses bekundet erstmals ein Kaufbrief der Truhendinger Vasallen von Stettberg aus dem Jahr 1347. Doch dürften beide zum Bistum Eichstätt gehörende Pfarreien viel älter sein und bereits in das 11. Jahrhundert zurückgehen.

Eine weitere Information über die Kirche St. Michael erhalten wir aus dem Jahr 1432, in welchem Hans von Holzingen und seine Frau Margarete an die Vikarier zu Eichstätt 5 Gulden jährliches Geld, die sie auf ihrem Hof zu Berolzheim haben, und der bei St. Michael zunächst gelegen ist, um 100 Gulden verkaufen.

Eine kolorierte Landkarte von 1600 zeigt die perspektivische Ansicht von Berolzheim mit ihren beiden mittelalterlichen Kirchen. St. Michael besaß damals ein dreijochiges (aus drei Gewölbefeldern bestehendes) und mit einem Satteldach gedecktes Langhaus. Entsprechend der Zeit belichteten gotische Spitzbogenfenster das Gotteshaus, die Giebelfassade war dem Marktplatz zugeordnet.

Mit Einführung der Reformation im Markgrafentum Brandenburg-Ansbach durch Markgraf Georg dem Frommen wurde Berolzheim 1528 protestantisch. Während sich die neue Lehre in der oberen Pfarrei ohne weitere Komplikationen vollzog, weigerte sich der bischöfliche Pfarrer Johann Schatz gegenüber seinem Landsherrn, das Evangelium lauter und rein zu predigen. Der erste evangelische Pfarrer von St. Michael war Johann Benedikt Wunniglich von 1571 bis 1604.

Im 30jährigen Krieg (1618 – 1648) brandschatzten und verwüsteten kaiserlich-bayerische Soldaten die Ortschaft so schwer, das nur noch fünf Häuser stehen blieben.
Der technische Leiter der markgräflichen Baudepartments in Ansbach, Johann David Steingruber, fertigte 1753 Pläne für einen Erweiterungs- bzw. Neubau der Kirche. 1758 wurde mit dem Bau begonnen, wobei ein Teil der nördlichen Langhauswand aus dem 14. Jahrhundert bestehen blieb. Gleichzeitig barockisierte man die mittelalterlicher Chorpartie, in dem man sie in das quaderförmige Langhaus mit einbezog.

Der Turm wurde 1838 auf eine Höhe von 72 Fuß abgetragen, so dass drei Geschosse übrig blieben. Diese sind noch der mittelalterlichen Bauphase zuzurechnen. Gleichzeitig wurde der Turm aber durch ein eingezogenes Schallgeschoss mit aufgesetztem Pyramidenziegeldach erhöht.

Der Sandsteinbau wirkt eher schlicht und verrät den charakteristischen Markgrafenstil des Ansbacher Baubüros und ist lutherisch streng und diszipliniert. Der heutige Bau ruht auf den Fundamenten der mittelalterlichen Vorgängerkirche und ist somit entsprechend der liturgischen Ausrichtung nach Osten orientiert.

Auf der selben Anhöhe befindet sich das heutige Mesnerhaus, welches beim Neubau des Kindergartens als Ausweichquartier diente. Ebenfalls wurde es schon für verschiedene andere Aktivitäten genutzt, zudem ist dort die Forstdienststelle untergebracht.

Das Pfarrhaus ist in direkter Nachbarschaft zu Kirche und Mesnerhaus errichtet worden. es schließt den Kirchplatz ab, daneben befindet sich noch der Pfarrgarten und die ehemalige Pfarrscheune, das heutige Gemeindehaus.


Am Gottesdienst vom Michaelistag 2010 (26. September),  also der Kirchweih von St. Michael, wurde das 250jährige Jubiläum des Gotteshauses begangen.

Die Predigt zum Thema Engel wurde an diesem Festtag von Dekan Popp gehalten und auch die Gemeindeglieder mit dem Namen „Michael“ wurden eingeladen um den Gottesdienst mit zu gestalten. Einige fanden dankenswerterweise den Mut dafür und folgten dieser Bitte. Als Highlight wurde im damaligen Gottesdienst ein Gemälde des Erzengels Michael enthüllt.

Im Rahmen der Feierlichkeiten verfasste Pfarrer Schmidt für den Fest-Gemeindebrief einige Zeilen über die Geschichte des Bauwerks, welche hier nochmals wiedergegeben werden sollen:

Die Kapelle

Turmkapelle mit KreuzgratgewölbeSo, wie sie jetzt dasteht und erhalten ist, ist die Kirche St. Michael 250 Jahre alt. Sie ist im wesentlichen ein Werk des Ansbacher markgräflichen Hofarchitekten Johann David Steingruber.

Die mittelalterliche Kirche, die schon lange vorher auf dem Kirchenhügel stand, ist aber nicht gänzlich verschwunden. Die Nordwand und der Chor der Vorgängerkirche wurden von Steingruber beim Bau seiner Kirche mitverwendet. Die deutlichste Hinterlassenschaft der Vorgängerkirche ist aber die Turmkapelle. „Ein schön geformter Zugang mit aus Stabwerk geformten Gewände führ in den quadratischen Raum, dessen Kreuzgratgewölbe einen runden Schlussstein mit aufgesetzter Blüte zeigt.“ – so heißt es in der Denkmalliste. Das Kreuzgewölbe weist auf das Kreuz Christi hin, die Blume im Gewölbe darauf, dass der gemauerte und getötete Gottessohn dennoch die Quelle neuen Lebens ist.

Dieser Stille Raum verdient es, stärker wahrgenommen und genutzt zu werden. Er dient dem stillen Gebet und seelsorgerischen Gesprächen. Besonders bedeutsam kann er bei zwei Anlässen sein: Wer neu in unsere Kirche eintreten will und dies nicht vor der versammelten Gemeinde tun will, kann das hier im kleinen Kreis tun. Ausserdem kann dieser Raum ein Ort der Beichte sein, die ja in der evangelisch-lutherischen Kirche keineswegs abgeschafft ist.

Der Taufstein

Der Eintritt in das Kirchengebäude geschieht normalerweise durch die südliche oder westliche Tür. Der Eintritt in Kirche und Gemeinde geschieht aber durch die Taufe. Der Taufstein steht in der Mitte von St. Michael. In der schlichten und bilderarmen Kirche fallen die wenigen bildlichen Darstellungen biblischer Gestalten besonders ins Auge. Der Täufer Johannes steht auf dem Taufdeckel. Sein ausgestreckert Finger weist auf das Kamm Gottes hin.

Bei der Taufe Jesu, die er (Johannes) zunächst verweigern wollte, weil er eher die Notwendigkeit empfand von ihm getauft zu werden, erkannte er dass Jesus bereit war, die Sünde der Welt auf sich zu nehmen. Als er Jesus wieder sah, brachte er dies zum Ausdruck: „Siehe, das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt!“ (Johannes 1, 29). Das Lamm, auf das Johannes deutet, sitzt auf einem Buch.

Das ganze Geheimnis der Taufe und des Eintretens Jesu für den Sünder erschließt sich erst in der Heiligen Schrift, im Alten Testament, der Bibel des Johannes und Jesu, und im Neuen Testament, in dessen Mittelpunkt das Lamm Gottes steht. So weist der Täufer auch weiter zu Altar und Kanzel.

Der Altar

Charakteristisch für eine Markgrafenkirche ist der Kanzelalter. Der Altar, der Ort des Gebetes und des Heiligen Abendmahles, die Kanzel als der Ort der Verkündigung und die Orgel (sie befand sich bis 1869 über der Orgel) als das Instrument des Gotteslobes sollen übereinander angeordnet sein.
Steingruber vermochte in etwa 60 Kirchen in Franken diese Einheit architektonisch zu verwirklichen. Zwischen Altar und Kanzel weist der Gekreuzigte darauf hin, dass in der Wortverkündgung Christus der Gekreuzigte im Mittelpunkt stehen muss, und dass der dahingegebene Leib und das Blut Jesu im Heiligen Abendmahl leibhaftig gegenwärtig sind. Durch ihren von der Orgel unterstützen Gesang nimmt die Gemeinde Anteil an dem, was Gott ihr schenkt.  Ihr Dankopfer ist ein Zeichen dafür, dass sie das eine und vollkommene Versöhnungsopfer Jesu annimmt.

Der Schalldeckel der Kanzel dient der Akustik. In einer Zeit fehlender elektrischer Hilfsmittel war dies für die Verständlichkeit des Wortes Gottes sehr wichtig. Wichtiger aber noch ist, dass der Prediger nicht in eigener Machtvollkommenheit spricht, sondern in der Vollmacht des Heiligen Geistes. Darauf weist die Taube über dem Prediger hin. Es ist die Gestalt, in der Heiliger Geist dem neugetauften Jesus erschienen ist. So wie die Taube unfassbar ist und fliegt wohin sie will, muss der vom Heiligen Geist erfasste damit rechnen, dass er auf Wege geführt wird, die er nicht planen kann. Allerdings hat sich der Heilige Geist an das Wort der Bibel, das Evangelium und die Sakramente gebunden (Augsburger Bekenntnis, Artikel 5). Der Prediger muss sich immer wieder vergegenwärtigen dass er den Heiligen Geist dringend benötigt. Er ist dabei auf das Gebet der Gemeinde angewiesen: „Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläuben“